Konfrontation im Fall Nawalny: Russland bestellt deutschen Botschafter ein

Konfrontation im Fall Nawalny: Russland bestellt deutschen Botschafter ein

Die diplomatische Auseinandersetzung im Fall des vergifteten Kreml-Kritikers Nawalny gewinnt an Schärfe: Das russische Außenministerium hat den deutschen Botschafter einbestellt und wirft der Bundesregierung vor, sie bluffe.

Im Streit um die Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny erwartet Russland den deutschen Botschafter in Moskau zum Gespräch. Das teilte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, auf Facebook mit. Das Gespräch solle am Mittwoch stattfinden, hieß es aus der deutschen Botschaft.

Moskau erwartet nach Sacharowas Angaben, dass Deutschland seine Erkenntnisse zu dem Fall vorlegt. Das betreffe die Ergebnisse der Untersuchungen in einem Labor der Bundeswehr und die Aussagen des deutschen Außenministeriums, schrieb sie. „Es ist an der Zeit, die Karten offen zu legen, weil es für alle klar ist: Berlin blufft, um einem schmutzigen politischen Getue dienlich zu sein.“

Bundesregierung verlangt Antworten von Moskau

Nawalny wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Die Bundesregierung hatte in der vorigen Woche mitgeteilt, dass der Kreml-Kritiker laut einer Analyse der Bundeswehr zweifelsfrei mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden sei. Das Gift war in den 1970er-Jahren von sowjetischen Wissenschaftlern entwickelt worden. Aus Sicht von Nawalnys Unterstützern deutet der Einsatz des Nervengifts darauf hin, dass nur der russische Staat verantwortlich sein kann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den „versuchten Giftmord“ an Nawalny in der vergangenen Woche mit außergewöhnlich deutlichen Worten verurteilt. In einer Stellungnahme sagte sie über den Kreml-Kritiker: „Er sollte zum Schweigen gebracht werden.“ Die russische Regierung müsse nun schwerwiegende Fragen beantworten. Außenminister Heiko Maas sagte am Sonntag im Bericht aus Berlin: „Russland muss sich an der Aufklärung beteiligen. Bislang ist das überhaupt nicht der Fall.“ Auf Vorwürfe, die Bundesregierung selbst würde die Ermittlungen behindern, reagierte Maas mit Unverständnis. Man habe einem russischen Rechtshilfeersuchen schon längst zugestimmt.

UN-Menschenrechtskommissarin fordert Kooperation

Auch die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet forderte nun die Regierung in Moskau zur Zusammenarbeit bei einer „gründlichen, transparenten, unabhängigen und unparteiischen Untersuchung“ des Falls auf. Die Zahl von Giftanschlägen und anderen Formen gezielter Morde an russischen Staatsbürgern in den vergangenen zwei Jahrzehnten sei „zutiefst beunruhigend“, sagte Bachelet. Es liege an den russischen Behörden zu untersuchen, wer für das Verbrechen an Nawalny verantwortlich sei.

Bachelet erhob keine direkten Anschuldigungen gegenüber Moskau, betonte jedoch, dass Nervengifte wie Nowitschok Substanzen seien, die sehr schwer zu beschaffen seien. Dies werfe zahlreiche Fragen auf.

Nawalny aus künstlichem Koma erwacht

Nach Angaben der Charité liegt Nawalny mittlerweile nicht mehr im künstlichen Koma und wird schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt. Der 44-Jährige reagiert demnach bereits auf Ansprache. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung schlossen die Ärzte jedoch nicht aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. September 2020 um 14:00 Uhr.

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