Nach Brand in Moria: Provisorische Hilfe für die Flüchtlinge

Nach Brand in Moria: Provisorische Hilfe für die Flüchtlinge

Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria soll ein großer Teil der Migranten in einem provisorischen Zeltlager unterkommen, das derzeit errichtet wird. Doch die Hilfe wird durch Proteste erschwert.

Von Thomas Bormann, ARD-Studio Athen, zzt. Lesbos

Ständig waren heute Hubschrauber über der Inselhauptstadt Mytilini zu hören. Sie transportierten große Zelte in Richtung Moria. Etwa zwei Kilometer entfernt von den Trümmern des alten Lagers auf der griechischen Insel Lesbos bauen die Behörden ein Notquartier auf.

Viele Großzelte stehen schon, mit Platz für mehrere hundert Personen. Die ersten Flüchtlinge sollen in der kommenden Nacht wieder so etwas wie ein Dach über dem Kopf haben. Drei Nächte unter freiem Himmel haben sie hinter sich.

„Alle Menschen hier sind unglücklich, wir verlieren die Hoffnung“, sagt ein junger Familienvater aus Afghanistan. Er wirkt erschöpft, hat lange kein Wasser bekommen.


Bewohner leisten Widerstand

Dass es drei Tage dauert, bis ein erstes Zelt als Notquartier aufgestellt ist, liegt vor allem am Widerstand der Einheimischen auf Lesbos. Die haben Straßensperren errichtet, deshalb müssen Hubschrauber die Zelte für das Notquartier heranfliegen.

Die Bürger von Lesbos wollen kein neues Flüchtlingslager vor ihrer Haustür, auch nicht für ein paar Tage. Vor allem, weil einige Flüchtlinge mit dem Coronavirus infiziert sind. Anfang dieser Woche wurden 35 Lagerbewohner positiv getestet. Die meisten von ihnen sind beim Durcheinander der Brandkatastrophe untergetaucht, haben sich unter die anderen Flüchtlinge gemischt.

„Das ist unsere Insel“

Die Einheimischen haben Angst, die Flüchtlinge könnten nun auch noch Corona auf der Insel verbreiten, deshalb die Proteste. „Wir werden kein Camp mehr dulden auf unserer Insel“, sagt ein Mann mit Wut in der Stimme an einer Straßensperre mit quer gestellten Lkw:

„Das geht nicht weiter so. Die Insel ist unsere Insel und wir schenken sie niemandem.“

Die Einwohner von Lesbos fühlen sich mit den Flüchtlingen im Stich gelassen – von der Regierung in Athen und von den Regierungen aller EU-Länder, die seit fünf Jahren wegschauen, welches Elend sich da im Lager Moria ausgebreitet hat.

Die Angst vor dem Coronavirus

Omid, ein Flüchtling aus Afghanistan, kam vor neun Monaten in Moria an, mit seiner Frau und seinem vierjährigen Sohn. Wie die etwa 12.000 anderen Flüchtlinge weiß auch er nicht, wie es weitergehen und wo er unterkommen soll. Von den Straßensperren und den Protesten der Bürger von Lesbos fühlt er sich nicht bedroht: „Ich kann das verstehen. Das ist deren gutes Recht. Es ist ihre Heimat, es ist ihr Land und darauf müssen sie Acht geben.“ Und Omid betont:

„Das Virus ist ein Killer, und alle haben Angst davor – auch wir Flüchtlinge. Flüchtlinge sind auch Menschen. Sie brauchen Hilfe, sie brauchen ein Dach über dem Kopf. Sie brauchen etwas Platz, damit sie nicht so eng aufeinander hocken, sondern getrennt voneinander sind.“

Das Zeltlager, das jetzt in der Nähe von Moria entsteht, wird bei Weitem nicht allen Flüchtlingen Platz bieten. Die meisten von ihnen müssen auch die vierte Nacht in Folge unter freiem Himmel ausharren und hoffen, dass sie wenigstens mit Wasser und mit etwas zu essen versorgt werden.


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